Paradiesvögel für neue Vogelvoliere/Gefährdete Art frisst nur sächsische Feigen

vom 01.04.2018

Noch in diesem Jahr wird die neue begehbare Vogelvoliere im Delitzscher Tiergarten errichtet. Für das Gehege hat Tiergartenleiterin Julia Gottschlich zwei ganz besondere Vogelexemplare organisiert – ein Paar Schall-Manucodien. Die Paradiesvögel werden am 1. April aus Walsrode in Delitzsch eintreffen.

Es handelt sich hierbei um direkte Nachfahren der bei einem illegalen Tiertransport im Gründungsjahr des Delitzscher Tiergartens importierten Schall-Manucodien Madang und Morobe. Diese hatten sich seit 1968 in dem Heimatzoo fleißig vermehrt. Das besonders milde Delitzscher Binnenklima und vor allem die von Tiergartengründer Franz Kirsch gezüchteten violetten Sachsenfeigen, die mittlerweile zum alleinigen Futter der Manucodien geworden waren, trugen dazu bei.

Leider hatte in den 1980er Jahren Alexander Schalck-Golodkowski die exotischen und seltenen Vögel im Tiergarten Delitzsch entdeckt und entführt. Gegen Maschinenpistolen vom Typ Kalaschnikow tauschte er die damals vier Exemplare (die Vögel werden bis zu 30 Jahre alt) ein. Die Vögel blieben bis 2017 verschollen.

Vogelexpertin Julia Gottschlich berichtet: „Bei meinem Besuch im Vogelpark Walsrode im letzten Jahr traf mich fast der Schlag! Dort sah ich zwei Schall-Manucodien, die offensichtlich von Madang und Morobe abstammen, also Delitzscher Vorfahren haben mussten!“ Für die Tiergartenleiterin stand sofort fest – ein solches Manucodien-Paar muss künftig wieder in Delitzsch eine Heimat finden. In Walsrode zeigte man sich verständig und gibt die Vögel sogar kostenfrei nach Sachsen ab: „Eine solche Geschichte erlebt man auch als Zooleiter nur einmal im Leben. Die Tiere gehören nach Delitzsch, das steht fest“, so Walsrode-Chef Florian Falsedad, der zugibt, dass vor allem die Beschaffung der Sachsenfeigen problematisch war: „In ganz Westdeutschland gibt es keinen Züchter für diese fragilen Früchte, so dass wir sie immer aus dem Osten anfahren lassen mussten.“

Diese Probleme hat Julia Gottschlich nicht. Im Delitzscher Tiergarten wachsen mehrere Feigen der Sorte „Viola“, die wie bestellt am 1. April jedes Jahres austreiben und immer mehrere Tonnen Früchte tragen. Das Püree kann eingefroren werden, so dass den Schall-Manucodien auch in kühleren Monaten immer Nahrung zur Verfügung stehen wird.


 

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