Genossenschaftsidee ist immaterielles Kulturerbe der Menschheit

vom 01.12.2016

Die „Genossenschaftsidee“ hat es als erster deutscher Antrag auf die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit geschafft.
Auf der 11. Sitzung des Zwischenstaatlichen Ausschusses der UNESCO zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes in Addis Abeba/Äthiopien haben die Ausschussmitglieder heute um 19:50 Uhr Ortszeit beschlossen, den Antrag anzunehmen.
Den länderübergreifenden Antrag hatten die Hermann-Schulze-Delitzsch-Gesellschaft und die Deutsche Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft verfasst.
Die Genossenschaftsidee gründet als überkonfessionelles Modell auf den Maximen der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung.

Deutschland war dem 2006 in Kraft getretenen UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes 2013 beigetreten. Im Dezember 2014 hatte die Kultusministerkonferenz der Aufnahme von 27 immaterielle Kulturformen auf die nationale Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen, darunter die Genossenschaftsidee. Als erster Vorschlag aus Deutschland wurde die Genossenschaftsidee für die internationale Liste am 27. März 2015 bei der UNESCO eingereicht.

Oberbürgermeister Dr. Manfred Wilde, als Stellvertretender Vorsitzender der Hermann-Schulze-Delitzsch-Gesellschaft gerade in Addis Abeba weilend, zeigt sich hocherfreut über den Ausgang der Beratungen: „Mit der Aufnahme in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit findet das wegweisende Wirken der beiden Genossenschaftspioniere Raiffeisen und Schulze-Delitzsch verdiente weltweite Anerkennung. Von den mittelalterlichen Anfängen in Europa über die englischen Wurzeln bis hin zu den heutigen Kleingenossenschaften in Entwicklungsländern zeigt sich die erfolgreiche Beständigkeit dieser Idee. Ich danke der internationalen Staatengemeinschaft der UNESCO, der Bundesrepublik Deutschland, dem Freistaat Sachsen und dem Land Rheinland-Pfalz für ihre Entscheidung und Unterstützung.“

Hermann Schulze-Delitzsch kam am 29. August 1808 in Delitzsch zur Welt. Im Dezember 1849 hatte er in der Kreuzgasse 10 in Delitzsch (dem heutigen Schulze-Delitzsch-Haus) mit der Schuhmacherassoziation die erste erfolgreiche Genossenschaft begründet und sich später für die Gründung von Spar- sowie Kreditvereinen eingesetzt.
Die am 10. Mai des Jahres 1850 auf Initiative von Hermann Schulze-Delitzsch als „Delitzscher Vorschussverein“ gegründete Volksbank Delitzsch eG ist die älteste Kreditgenossenschaft Deutschlands.

 

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Hermann Schulze-Delitzsch-Denkmal in Delitzsch
Schulze-Delitzsch-Haus
© Peter Franke, Leipzig
 
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