Zum Umgang mit Starkniederschlägen: Jeder kann etwas tun

(nf) In den vergangenen Jahren sorgten Starkniederschläge auch in Delitzsch immer wieder für Aufregung. Straßen und Gebäude standen plötzlich unter Wasser – und die Menschen vor einem Problem: Wohin soll denn nur das ganze Wasser?

„Jeder kann etwas tun“ meint Andreas Brauer, technischer Leiter des Abwasserzweckverbandes Delitzsch ( AZV ). Am 27. Januar berichtete er in der öffentlichen Sitzung des Technischen Ausschusses im Saal des Rathauses, wie es bei einem Starkregen zu Überschwemmungen kommt und welche Maßnahmen der AZV ergriffen hat und welche er plant, um diese einzudämmen.

Bei starken Niederschlagsereignissen und Jahrhundertregen ist der Lober bereits vor der Stadt Delitzsch vollgefüllt und kann nur noch reduzierte Mengen an Regenwasser aus dem Stadtgebiet aufnehmen. Es muss also Rückstauvolumen im Kanalnetz geschaffen werden, das die Regenwassermengen aus der Stadt für die Zeit solcher Regenereignisse zurückhält.
Der Abwasserzweckverband Delitzsch hat in diesem Zusammenhang seinen Generalentwässerungsplan aus dem Jahr 2001 überarbeitet und befindet sich in der Umsetzung der daraus entstandenen Investitionsplanung.

Nach der Art der anliegenden Bebauung in Stadtgebieten sind Bemessungsregen festgelegt. Diese werden bei der hydraulischen Auslegung von Rohrleitungen und Bauwerken berücksichtigt. Zur Entlastung des Lobers und Zwischenspeicherung des Regenwassers wurden bereits Maßnahmen u. a. in der Erzberger Straße, am Gerberplan, Beerendorfer Straße, Bitterfelder Straße realisiert. Weitere Maßnahmen sind geplant, z. B. in der Richard-Wagner-Straße. Für die Anlieger der Securiusstraße gibt es zeitnah ein Gespräch mit dem AZV und Vertretern der Stadtverwaltung.

Allerdings ist es aus wirtschaftlicher und technischer Sicht nicht zielführend, für Starkniederschlagsereignisse und Starkregen größere Anlagen zu bauen. Hierfür würden Millionen an Investitionsmitteln benötigt, die sich erheblich in der Niederschlagswassergebühr bemerkbar machen würden. Man muss andere Wege gehen und hier ist die Mitarbeit aller gefragt, vom Landwirt, von städtischen Unternehmen, Gewerbetreibenden und auch den privaten Grundstücksbesitzern.

Stauraum schaffen auf der einen Seite, aber auch Abkoppeln, Begrenzen und kostengünstigere Retentionsflächen schaffen und nutzen auf der anderen. Für private Grundstücke reicht es nicht, seine Rückstausicherung im Keller als Sicherheit anzusehen. Das Regenwasser kann auch über Fenster, Kellereingänge und Tiefgaragen eindringen. Demnach ist der Einbau hochverdichteter Kellertüren und -fenster ebenfalls eine sinnvolle Investition. Zugleich ist zu überlegen: Lässt sich das Regenwasser auffangen und weiternutzen, anstatt es in die Kanalisation zu leiten? Auf dem heimischen Grundstück ist es für die Bewässerung des Gartens verwendbar. In Industrie und Gewerbe ist an die Nutzung für Dachbegrünungen, Biotop-Teiche, Löschwasserbecken und Kühlwasser zu denken.

Auch die Verwaltung muss künftig findig sein, um die städtische Infrastruktur den Regenmassen anzupassen. Möglichkeiten wurden in anderen Städten schon getestet: Straßen als Stauräume, in denen das Wasser allmählich ablaufen kann; unterirdische Zisternen als Speicher; Entsiegelung der Flächen.

Wer spezielle Fragen hat, für den steht Andreas Brauer als Ansprechpartner beim AZV mit Antworten bereit. Telefonisch erreichen Sie ihn unter 034202 347910, per E-Mail an: andreas.brauer@azv-delitzsch.de

 
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